„Ein Zuhause fürs Leben“
Familie Sommer erzählt ihre Geschichte
Seit über fünf Jahrzehnten leben Maria und Willi Sommer im Ungelsheimer Quartier in Duisburg. Kaum jemand könnte besser erzählen, wie sich ein Zuhause, eine Nachbarschaft und ein Stadtteil über so lange Zeit verändern und gleichzeitig vertraut bleiben. Im Gespräch wird schnell klar: Die Sommers haben nicht nur eine Wohnung – sie haben ein echtes Zuhause.

Mit neun Jahren zog Willi Sommer mit seinen Eltern nach Duisburg. Seine Frau Maria lernte er später ganz in der Nähe kennen: bei ihrem damaligen Ausbildungsplatz als Friseurin. „Meine Mutter ging bei ihr zum Friseur“, erinnert er sich schmunzelnd. „So fing alles an.“
Nach der Hochzeit lebte das junge Paar zunächst vier Jahre in Buchholz, kehrte aber bald nach Ungelsheim zurück. „Man fühlt sich eben zu Hause, wenn man die Gegend kennt. Und die Menschen.“ Seit nunmehr über fünf Jahrzehnten lebt die Familie in derselben Wohnung – eine außergewöhnliche Beständigkeit, die man heute selten findet.
Wir wohnen hier seit 52 Jahren und fühlen uns noch immer genauso wohl wie am ersten Tag.

Mehr als Umbau: eine Zeit des Aufbruchs und gelebten Miteinanders
Im Jahr 2023 startete der energetische Umbau des Duisburger RWB-Bestandes. So wurde auch die Wohnung der Sommers umfassend modernisiert, z. B. mit neuen Fenstern, Wärmedämmung, überarbeiteten Balkonen und weiteren energetischen Verbesserungen.
Was bei einigen Mieter:innen erst mal Unsicherheit auslöste, war für Herr und Frau Sommer ein Gewinn: „Wir erinnern uns gerne an die Zeit. Es war zwar viel Arbeit und Dreck, aber gleichzeitig war immer etwas los. Die Handwerker waren freundlich, man kam ins Gespräch und als Nachbarn sind wir dadurch richtig zusammengewachsen.“
Während der Sanierung entwickelte sich sogar eine kleine Tradition: Man traf sich in der Garage zum Kaffee, brachte Kuchen mit und lernte Menschen kennen, die man vorher nur vom Grüßen kannte. „Das hat uns zusammengeschweißt. Heute hat man zu vielen im Haus einen anderen, vertrauteren Zugang“, erklärt Willi Sommer.
Ein Ort, der sich verändert und doch immer bleibt
Wer die Wohnung der Sommers betritt, merkt schnell, wie viel Liebe und Sorgfalt in jedem Detail steckt. Vieles hat das Paar selbst ausgebaut, renoviert oder modernisiert.
„Wir behandeln die Wohnung, als wäre es unser Eigentum“, sagt Maria Sommer, „wenn uns etwas gefällt, dann setzen wir das um. Wir bleiben nicht stehen.“ Ihr Mann lacht: „Wenn ich mit dem Hund spazieren gehe, denke ich oft nach. Und wenn ich nach Hause komme, sage ich zu meiner Frau: ‚Ich habe eine Idee!‘ Und dann geht’s los.“
Dass beide handwerklich begabt sind, zeigt sich überall: Glasinnentüren, neue Leitungen, durchdachte Einbauten – vieles wurde selbst geplant und umgesetzt. Die zwei Söhne, von denen einer ebenfalls in Ungelsheim lebt, haben das Talent geerbt.


Vom Schrebergarten zum Wohlfühlbalkon – ein neues Stück Zuhause
Neben der Wohnung war über Jahrzehnte der Schrebergarten ein wichtiger Mittelpunkt des Familienlebens. „40 Jahre hatten wir den Garten und das war eine wunderschöne Zeit. Ich war jeden Tag dort“, erzählt Herr Sommer. „Arbeit war das nie, eher ein Hobby.“
Mit dem Umbau der Häuser und der Aussicht, bald direkt „um die Ecke“ wieder mehr Zeit im Quartier zu verbringen, entschieden sie sich jedoch dazu, den Garten abzugeben.
„Wir vermissen ihn manchmal“, sagt Frau Sommer, „aber unser Balkon ersetzt vieles. Wenn das Wetter passt, sind wir fast nur draußen. Von hier aus bekommt man alles mit, was im Quartier passiert.“
Nachbarschaft, die trägt: „Wir grüßen uns nicht nur – wir kümmern uns.“
Die Nachbarschaft ist den Sommers besonders wichtig. Viele kennen sich seit Jahrzehnten, andere lernt man erst jetzt kennen. Und doch entsteht ein Gefühl von Vertrautheit.
„Man muss nicht ständig bei jemandem in der Wohnung sitzen“, sagt Willi Sommer, „aber man grüßt sich, man hilft sich, man trinkt mal einen Kaffee im Treppenhaus oder draußen auf der Bank.“ Besonders berührend: Die junge Nachbarin von oben sei „fast wie eine Tochter“.
„Wenn wir Fragen zum Handy oder Computer haben, ist sie sofort da. Das ist einfach schön“, resümiert Maria Sommer.
„Ein kleines Wunder der Verwechslung“: die Geschichte zweier vertauschter Babys
Manchmal schreibt das Leben Geschichten, die so ungewöhnlich sind, dass man zweimal hinhören muss. So auch bei Familie Sommer:
Kurz nach der Geburt ihres Sohnes bemerkte Frau Sommer im Krankenhaus, dass das Baby in ihrem Arm nicht ihres sein konnte – die Spuren einer Saugglockengeburt verrieten den Fehler. Gleichzeitig stellte ihre Zimmernachbarin fest, dass auch sie das falsche Kind bekommen hatte. Die beiden Babys waren schlicht vertauscht worden.
Jahre später trafen sich beide Mütter als Nachbarn im Ungelsheimer Quartier wieder: Die Söhne spielten schon längst gemeinsam im Sandkasten und die beiden Frauen lachen bis heute darüber, wie sie damals auf ihr Bauchgefühl angewiesen waren. Aus einer Verwechslung im Krankenhaus wurde so der Anfang einer langen Nachbarschaftsfreundschaft, die bis heute anhält und darüber hinaus eine Geschichte, die man im Quartier nicht so schnell vergisst.
Der RWB-Quartierstreff – ein neues Wohnzimmer für alle Generationen
Die Eröffnung des RWB-Quartierstreffs im Jahr 2024 war ein großer Gewinn für Familie Sommer: Auf rund 335 Quadratmetern treffen sie regelmäßig alte Bekannte, ehemalige Kunden und Kundinnen und kommen ins Gespräch – bei Frühstück, Kaffee und dem Mittagstisch, der einmal im Monat von AWO und RWB angeboten wird.
„Es ist ruhig, angenehm und familiär“, erzählt das Paar, „man kennt die Leute, man fühlt sich wohl. Wir gehen lieber dorthin als in ein Café.“
